Die Prähistorischen Pfahlbauten in Italien

Kunst & Kultur, Lombardei, Trentino

Die prähistorischen Pfahlbaufundstellen der Alpen sind eine Reihe von 111 archäologischen Fundstellen im Alpenraum oder in deren unmittelbarer Nähe. Die Fundstellen befinden sich in der Schweiz, Österreich, Frankreich, Deutschland, Italien und Slowenien und bestehen aus den Überresten prähistorischer Siedlungen aus der Zeit zwischen 5.000 und 500 v. Chr. Die außergewöhnlichen Erhaltungsbedingungen des organischen Materials, die die wassergesättigten Stätten bieten, haben zusammen mit den aufwendigen archäologischen Untersuchungen und Forschungen eine außergewöhnliche und detaillierte Rekonstruktion der Welt der ersten landwirtschaftlichen Gesellschaften in Europa ermöglicht, die genaue Informationen über Ackerbau, Viehzucht, die Entwicklung der Metallurgie, für einen Zeitraum von mehr als vier Jahrtausenden liefert.

Von diesen aussgewöhnlichen Fundstätten befinden sich 19 in Italien, insbesondere in fünf Regionen: Lombardei, Venetien, Piemont, Friaul-Julisch-Venetien und Trentino-Südtirol.
Stelzenhäuser, die in Dörfern organisiert waren,  Hütten, die von Pfählen gestützt wurden und mit einer hölzernen Plattform ausgestattet waren, die direkt an einem See, einem Sumpf, einem Bach oder am Ufer eines solchen errichtet wurden. Als Baumaterialien wurden neben Holzpfählen und Baumstämmen auch Stroh und Schilf verwendet. Das Leben in solchen Dörfern hatte mehrere Vorteile: Man konnte sich in der Nähe von Wasser- und Nahrungsquellen aufhalten und sich gegen Feinde und wilde Tiere verteidigen.

Bei der Ausgrabung der Pfahlbauten konnten auch zahlreiche Funde geborgen werden, die oft in hervorragendem Zustand sind (Knochenkämme, Bernsteine, Nadeln und Werkzeuge zum Weben, Hacken, Pflüge, Essensreste, Votivstatuetten, Schmelztiegel, Äxte und Stacheln), die von den Gewohnheiten und Tätigkeiten des prähistorischen Menschen zeugen. Sie enthüllen auch detaillierte Informationen über die Handelswege für Feuerstein, Muscheln, Gold, Bernstein und Keramik über die Alpen und innerhalb der Ebenen; liefern Beweise über die Transportmittel, von Kanus bis zu Holzrädern, von denen einige auf ca. 3.400 v. Chr. zurückgehen und damit zu den ersten erhaltenen der Welt gehören, und über die ältesten Stoffe in Europa, die auf 3000 v. Chr. zurückgehen.

Prähistorische Pfahlbausiedlung, Molina di Ledro UNESCO-Welterbe, Trentino Südtirol, Italien

Prähistorische Pfahlbausiedlung (Rekonstruktion), Molina di Ledro (UNESCO-Welterbe, 2011), Trentino-Südtirol, Italien.      (foto ©   lorenza62 / Shutterstock.com)

Diese Stätten befinden sich in unmittelbarer Nähe von Seen oder besonders feuchten Gebieten, in Umgebungen, die durch einen großen Wasserreichtum gekennzeichnet sind. In Italien sind sie in der Tat hauptsächlich in der Nähe der Seen von Garda, Ledro und Varese konzentriert.

In der Lombardei, genauer gesagt am See von Varese, wurden die ältesten Pfahlbauten identifiziert, die auf den Beginn des Neolithikums zurückgehen, während im Gebiet des Gardasees die größte Konzentration von Pfahlbauten mit mehr als 30 bewohnten Gebieten an den Ufern des Sees zu finden ist. Kleine Pfahlbausiedlungen wurden auch an den Alpenseen von Trentino-Südtirol und Piemont gefunden.

Eine Besonderheit der Siedlungen sind die „Stelzen“: Hütten aus Stroh, Holz, Schilf oder anderem Material, die auf einer hölzernen Plattform gebaut sind und auf Holzpfählen ruhen, die im Boden oder an den Ufern von Flüssen, Seen, Lagunen, Sümpfen oder manchmal sogar auf trockenem Boden befestigt sind.

Die Pfahlbauten geben also ein Bild von der Welt der ersten europäischen Agrargemeinschaften wieder. Sie sind reale Fotografien des Alltagslebens, denn sie erzählen uns von den landwirtschaftlichen Praktiken und der Haustierzucht der Urmenschen und informieren uns über ihr Wissen.
Die Pfahlbausiedlungen der Alpen weisen Strukturtypen auf, die sich sowohl in der Positionierung des Bauwerks als auch in den Bautechniken unterscheiden, die wiederum je nach den Eigenschaften des Bodens, des Klimas und den spezifischen Bedürfnissen der Bevölkerung variieren.

Die Siedlungen wurden in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen, da sie eine außergewöhnlich gut erhaltene, einzigartige Gruppe von archäologischen Stätten darstellen.

 

Text: Luca @ Italien.blog

 

Museum, Prähistorische Pfahlbausiedlung, Molina di Ledro, Trentino Südtirol, Italien

Museum Prähistorische Pfahlbauten, Molina di Ledro, Lago di Ledro, Trentino-Südtirol, Italien.      (foto ©   lorenza62 / Shutterstock.com)

Gardasee

See von Varese

Ledrosee

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